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Albert Schweitzer war kein Golfer – Golfclub Königsfeld im Herzen des Schwarzwaldes

Würde Albert Schweitzer noch leben, würde er eine Runde im Golfclub Königsfeld unweit seines ehemaligen Hauses sicher nicht verschmähen.

Königsfeld gehört zu den Top-Kurorten Deutschlands. Das ist das Ergebnis einer Gesundheits-Studie eines renommierten Nachrichtenmagazins. Zu dieser hohen Wertung trug auch der gleichnamige Golfclub bei, dessen Motto „Zu Gast bei Freunden“ dort regelrecht zelebriert wird. Was vermutlich damit zusammenhängt, dass die Kleinstadt seit etwa 100 Jahren vom Tourismus lebt und Freundlichkeit gegenüber Gästen zur DNA der Königsfelder gehört.

„Unser Golfclub ist kein profitorientiertes Unternehmen, sondern ein Privatclub“, bilanziert Professor Ulrich Sommer, bis vor kurzem noch Vizepräsident des Vereins. Und die neue Clubpräsidentin Beatrice Hesselbach ergänzt. „Wer zu uns kommt, findet schnell Anschluss.“
Der Club verfügt über ein „Patenschaftsprogramm“, das neuen Mitgliedern hilft, sich im Verein schnell zu integrieren. Prof. Sommer: „Wir haben festgestellt, dass neue Mitglieder den Eindruck hatten, nicht richtig dazuzugehören.“ Der erste Schritt in diesem Programm sind die vom Club organisierten „come together“ für Golfeinsteiger, bei denen die ersten Kontakte geknüpft werden können. Gleichzeitig werden Neu-Golferinnen und -Golfer über Etikette und Platzregeln informiert. „Das hat sich bewährt,“ erwähnt Sommer.

Starkes Mitgliederwachstum im Golfclub Königsfeld

Das Programm hat sich deutlich in den Mitgliederzahlen niedergeschlagen. In den letzten Corona-Jahren registrierte der Golfclub Königsfeld einen Anstieg von über 23 Prozent. Hesselbach: „Von 660 auf 830 Mitglieder.“ Und das in einer Region mit vielen Dörfern und Kleinstädten. Was ebenfalls half, waren die günstigen Mitgliedsbeiträge. Neue Mitglieder zahlen lediglich den deutlich reduzierten Preis von 1.344 Euro pro Jahr.

Was keine Auswirkungen auf das Clubleben bislang hatte, ist der missverständliche Text in der Clubbroschüre, in der es heißt: „Ein Platz für gute Partien.“ Ulrich Sommer wirkt verlegen als er antwortet: "Es sollte nur die Fantasie anregen und nicht halbseiden rüberkommen.“
Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer war kein Golfer, aber vermutlich wäre er einer geworden, wenn es damals schon den Golfplatz gegeben hätte. Von seinem cremefarbenen Haus mit den roten Dachziegeln sind es lediglich ein paar Hundert Meter zum heutigen Golfplatz: Raus aus dem Haus – heute ein Museum – über die Schramberger Straße, durch den schmalen Waldgürtel, über den Hühnerbach und schon spazierte er auf den saftigen Wiesen, auf denen vor dreißig Jahren der Club gegründet worden ist. Schweitzer suchte in Königsfeld Ruhe nach seiner strapaziösen Arbeit als Mediziner in Lambarene – sein von ihm gegründeten Krankenhaus in Afrika. Seine Familie lebte bis 1957 in dem Königsfelder Haus.

So spielt sich der 18-Loch-Kurs im Schwarzwald

Die hügeligen 18 Bahnen verlangen Ausdauer und Konzentration. Die teilweise schmalen Grüns werden von Bunkern, bzw. Wasserflächen gut verteidigt und die Doglegs verlangen nach einem taktischen Spiel. Nicht immer ist der direkte Weg über die Fichten- und Tannen-Reihen die beste Alternative.

Die erste Bahn (Par 4) bietet einen entspannten Einstieg. Hier können auf dem geraden Fairway (Gelb 367 Meter; Rot 317) die Longhitter punkten. Die ersten zweihundert Meter gehen geradeaus. Aber Vorsicht, auf der linken Fairway-Seite drohen Bunker. An dieser Stelle schlängelt sich die Bahn nach links zum Green, das von zwei Bunker geschützt wird.

Die dritte Bahn bietet die große Chance auf einen Birdie, sogar ein Eagle ist möglich. Allerdings! Das kurze Par 3 (Gelb 117; Rot 101) ist links durch einen größeren Bunker und auf der rechten Seite, direkt an der Außengrenze durch zwei kleine Seen geschützt. Es benötigt viel Präzession, um auf dieser Bahn einen guten Score zu schaffen.

Aber was ist das Signature Hole? Jetzt wird es still im Restaurant des Clubs. Die Gesprächspartner schauen sich an und schweigen. Nach einer gefühlten längeren Pause antwortet die Präsidentin: „Alle unsere Bahnen sind Top.“ Während Ulrich Sommer widerspricht: „Nein, es ist die 17.“ Und was sagt die Clubtrainerin und ehemalige Golf-Nationalspielerin Helga Huber zögernd: “Die 17. Eindeutig.“

Für die Bahn 17 (ein Par 5. Gelb 453; Rot 406) spricht der lange Anstieg zum Grün und das zweigeteilte Fairway. Mittendrin, so bei 190 Metern, teilt ein Rough-Streifen das Fairway. Es folgt links ein kleiner Teich, in dem die Greenkeeper 30.000 Wasserbälle bei einer Säuberung gefunden haben. Zwei langgezogene Bunker umgeben das Grün.

Highlight der Front Nine ist die Bahn vier (Gelb 389, rot 344), auf der Score-Karte mit Hcp. 1 vermerkt. Das schmale Fairway schlängelt sich in einem leichten Links-Rechts-Dogleg zur Fahne. Drei Bunker in Höhe von circa 195 Metern machen Longhittern das Leben schwer. Der Anstieg zum Green wird erschwert durch Schräglagen. Der letzte Schlag muss hoch auf das Grün. Wer ein Par oder weniger spielt darf sich auf die Schulter klopfen.

Jugendarbeit ist das Aushängeschild

Beatrice Hesselbach schaut aus dem Fenster des Clubrestaurants und beobachte zehn Jugendliche beim Training auf der Driving-Ranch – alle geschätzt zwischen zwölf und 16 Jahren. „Unsere Elite“, sagt die Clubpräsidentin und man spürt ihren Stolz auf die Leistung der Kinder. Fünf Jugendmannschaften hat der Club, von denen einige zu den Spitzenmannschaften in Baden-Württemberg zählen. Bis zu 100 Jugendliche in den unterschiedlichsten Altersklassen trainieren im Golfclub. Die Trainerin: „Unsere Mannschaften sind fast jedes Wochenende auf Turnieren.“

Die langfristige Planung des Clubs hat sich bewährt. Frühzeitig wurde der Jugendbereich in einen eigenen Club umgewandelt, mit eigenem Vorstand und Etat. Der neue Verein ist gemeinnützig, was sich besonders auf der Sponsorenseite niederschlägt: „Unser jährlicher Jugendetat beläuft sich auf rund 50.000 Euro“, sagt die Cheftrainerin. Kinder bis zum 18. Lebensjahr zahlen zwischen 130 und 210 Euro Jahresbeitrag. Die ehemalige Damen-Nationalspielerin hebt die enge Zusammenarbeit mit den Zinzendorf-Schulen hervor. Dort gibt es eine eigene Schul-AG im Rahmen des Unterrichts. „So was ist auch nicht alltäglich.“ Jedenfalls nicht in den Schwarzwald-Regionen.
Einen der Schwerpunkte in den nächsten Jahren legt der Club auf Natur und Umwelt. Sechs Biotope sind bereits über den Gesamtplatz verstreut. Weitere sollen folgen. Derzeit, so Ulrich Sommer, durchläuft der Club das Zertifizierungsverfahren des Deutschen Golfverbandes. „Gold oder Silber sind das Ziel“, so Sommer. Weitere Pläne sind neue Drainagen, um das Oberflächenwasser besser einsammeln zu können. Es herrscht Wassernot auf dem Platz, was sich deutlich zeigt auf der Back-Nine: immer wieder verbrannte Fairway-Stellen, weil es zu wenig geregnet hat. Ein weiteres langfristiges Ziel: eine dritte Neun-Loch-Schleife.

Königsfeld - viele Prominente besuchten den kleinen Ort

Königsfeld zählt zu den schönsten Barock-Kleinstädten im Schwarzwald, gegründet von evangelischen Christen um 1800. Mit den Jahren mauserte sich die Gemeinde zu einem bedeutenden Kur-Zentrum für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Und Albert Schweitzer war nicht der einzige Prominente, der Königsfeld besuchte. Hitlers Lieblings-Regisseurin Leni Riefenstahl lebte – zwangsweise - drei Jahre in der Kleinstadt. Sie war eine Gefangene der französischen Besatzungsmacht. Was wiederum zu General Charles de Gaulles führt, dem späteren französischen Präsidenten, der ebenfalls nach Königsfeld kam, jedenfalls zu Kaffee und Kuchen, der extra für ihn gebacken wurde. Was für eine Torte es war steht nicht im Gemeindearchiv. Aber die Vermutung liegt nahe, es war eine Schwarzwälder Kirsch-Torte, mit viel Kirschwasser. Wie sie bis heute Gästen serviert wird. So wird wahrscheinlich Albert Schweitzer nicht der Letzte gewesen sein, der sagte: „Die Zeit in Königsfeld war die schönste meines Lebens.“

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Text: Peter Marx, Golfpost

Bilder: Golfclub Königsfeld